Style wechseln: ?

Für diese Funktion muß JavaScript aktiviert sein.

Digitale Lochkamera :: Lilien fotografieren :: Fernglas als Zoomvorsatz :: Kenko-Converter :: Fototaschen


um was geht es?

In den letzten beiden Tagen wurden anlässlich einer Veranstaltung zwei Artikel zu Lochkameras in unserer Zeitung veröffentlicht. Es wäre für jedermann sehr einfach sich eine solche einfache Kamera aus einer Konservendose, Folie, Abdeckung und einem Gummiring zu bauen. Die Ergebnisse seien natürlich nicht mit Fotos durch Linsenobjektive zu vergleichen, aber auf ihre Weise interessant. Gut, eine Lochkamera wollte ich schon länger mal ausprobieren, es war gerade Wochenende, also jetzt oder nie.

Der entscheidende Punkt bei der Dosenkamera ist aber das Fotopapier und die Entwicklung desselben. Ok, es ist sicher nicht ganz stilecht, aber warum das Fotopapier nicht durch einen Digitalsensor ersetzen? Gut, den kann ich nicht in eine Dose einbauen, also muss das Loch eben an eine Digitalkamera. Eine Kompakte scheidet aus da sich das Linsensystem nicht entfernen lässt (oder nur sehr aufwendig und mit einem nicht vorhersehbaren Ende). Aber da ist ja noch die digitale Spiegelreflex deren System eben auf wechselbaren Objektiven aufbaut.

der Aufbau

Eine schöne Möglichkeit wäre, den bei der Kamera mitgelieferten Deckel zum Verschluß des Spiegelkastens anzubohren. Der hat ein Bajonett und ist somit wie ein Wechselobjektiv einfach an- und abzuschrauben. Das habe ich aus zwei Gründen unterlassen: Erstens habe ich momentan nur einen und möchte den unversehrt lassen. Zweitens und entscheidend war aber, daß ich nicht wusste wie groß das Loch werden sollte. Größer geht zwar auch nachträglich, aber nicht mehr kleiner.

Also Alufolie? Ein Stück war schnell zugeschnitten, mit einem Loch versehen und über das Bajonett gestülpt. Die Ergebnisse waren ziemlich schlecht – vom problematischen Handling ganz abgesehen.

Also musste etwas anderes her. Beim Stöbern im Keller kam mir die alte Kunststoffkappe einer Spraydose in die Finger. Der Durchmesser war ok und die Wand schnell abgeschnitten. Zum Verkleinern des Durchmessers musste eine Handeisensäge herhalten und so wäre rund die falsche Bezeichung für das Ergebnis. Außerdem ist der Deckel nicht ganz eben, vielleicht noch nie gewesen, vielleicht durch meine Behandlung geworden. Das muss nun egal sein, nach ein paar Mal feilen passt er ziemlich gut innen ins Bajonett. Zum Abdichten an ein paar Stellen die nicht passgenau sind und zum Festhalten habe ich schwarzes Isolierband genommen.

das Loch

Kamera mit Kunststoffabdeckung

Ach ja, das Loch fehlt noch. Welcher Durchmesser ist dafür der richtige und was nehme ich dazu? Je größer desto mehr Licht desto kürzer Belichtungszeit. Aber je kleiner desto schärfer wird das Bild tendentiell – der Kampf der Strahlenbündel gegen die Beugung.
Trotzdem keine Ahnung, also habe ich einfach die nächstbeste Nadel genommen und von beiden Seiten in den Deckel gepiekst. Nebenstehend das Ergebnis – mit 15 Minuten Aufwand nicht wirklich quick, aber trotzdem dirty. ;-)

Eine nachträgliche Messung mit einer Schieblehre und einem dünnen Draht lassen auf einen Lochdurchmesser von 0,35 mm schließen. Dass das Loch wirklich rund und faserfrei ist bezweifle ich, der Kunststoff der Kappe ist leider recht weich. Bei einem Abstand des Loches zum Sensor von 40 mm dürfte die Blendenzahl also bei ca. 115 liegen. Dementsprechend lang sind auch die Belichtungszeiten die tagsüber draussen bei Sonnenschein bei ungefähr 2,5 Sekunden liegen.

die Testbilder

Heute war ich also etwas draussen und habe ein paar Fotos gemacht um einen Eindruck zu gewinnen. Bei o.g. Belichtungszeiten habe ich die Kamera natürlich immer auf dem Stativ gehabt, verwackelt ist also mit Sicherheit nichts. Allerdings hilft ein Stativ natürlich nichts bei sich bewegenden Motiven und so sind beispielsweise die Pferde alles andere als scharf. In den Bildern sind die EXIF-Daten der Aufnahmen enthalten, die Blendenzahl ist gemäß obiger Berechnung von Hand nachgetragen.

Hier die Fotos (Impressionen am Main-Donau-Kanal):

Lochkamera Versuchsbild 1 Lochkamera Versuchsbild 2 Lochkamera Versuchsbild 3 Lochkamera Versuchsbild 4 Lochkamera Versuchsbild 5 Lochkamera Versuchsbild 6 Lochkamera Versuchsbild 7 Lochkamera Versuchsbild 8

das Fazit

Im ersten Augenblick war ich vom ersten Testbild begeistert. Die weiteren sind nett. Aber entweder die sind wirklich nicht gut, oder es ist mein Perfektionismuss der sie mir vermiest. Das Ziel sind nicht superscharfe Fotos nach heutigem Stand, sonst hätte ich es gleich bleiben lassen können. Aber eine etwas höhere Schärfe und homogenere Abbildung sollten schon drin sein. Aber das war ja auch nur der erste Versuch (oder der zweite wenn man die Alufolie mitzählt).

Ich werde mir doch mal einen zweiten Bajonettdeckel zulegen und als Grundplattform für verschiedene Löcher verwenden. Das heißt, ein Loch rausschneiden und in dieses Materialien verschiedener Stärke und vor allem mit verschiedenen Lochdurchmessern einsetzen. Ob ersteres etwas zum Ergebnis beiträgt weiß ich nicht, aber letzteres sicher.

Insgesamt haben die Bilder eine Anmutung wie die Fotos, die ich in den frühen 80ern mit meiner Pocketkamera mit Plastiklinse gemacht habe. Also die waren dann doch etwas schärfer, aber die Assoziation ist da.
Von der Unschärfe mal abgesehen hat der Wechsel von Linse zu Loch aber auch die Farben verändert, das finde ich das Überraschende und Interessante.

Sensordreck, also Staubpartikel auf der Sensoroberfläche, wird durch die kleine Blende übrigens recht scharf abgebildet und ist gut zu erkennen. Für die Suche danach gut geeignet aber dem künstlerischen Wert der Bilder leider nicht zuträglich (siehe Testbilder). Dabei hatte ich den Sensor doch erst vor zwei Monaten gereinigt – wahrscheinlich wechsle ich die Objektive zu oft.

[arrow up] hoch

gepostet am 13.8.2007, letzte Änderung am 23.10.2009
© Christian Eyrich / Alle Bilder dieses Artikels gebe ich, Christian Eyrich, unter der Creative Commons BY-SA 2.0-DE-Lizenz frei.
Hauptseite | Webmaster